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Arbeiten, feiern und wieder eine neue Wendung in meinem Leben

19 Aug

Mein Blog hier verwaist zusehends – war selber gerade ein wenig erstaunt, wie ich feststellen musste, dass ich die letzten zwei Beiträge im Abstand von einem Monat geschrieben habe. Und diesen nun auch wieder. Nicht, dass mein Leben in den letzten zwei Monaten total langweilig geworden wäre. Oder dass ich das Schreiben verlernt hätte. Oder dass mir einfach nichts in den Sinn kommen würde. Im Gegenteil: mein Kopf ist seit Tagen, Wochen und Monaten voll von Worten und Gedanken. Aber die Leichtigkeit des Schreibens ist mir ein wenig abhanden gekommen. Da waren aber auch so viele andere Dinge, die meine Aufmerksamkeit beansprucht haben…so dass ich mich dabei mal wieder ein wenig vergessen habe.

Da waren zum einen erst die Semesterprüfungen. Die haben mich dieses Jahr geschlaucht, wie noch selten etwas – dachte ich zumindest. Dann der Tag der offenen Tür, an dem Christof und ich unsere Verlobung und die (mehr oder weniger) abgeschlossene Renovation unseres Zuhauses gefeiert haben. Immerhin mit rund 110 Leuten. Ohne die Hilfe meiner Eltern hätte ich dieses Fest wohl nicht gewuppt – mein lieber Scholli. Dazu kam dieses irre Hitze- und Trockenperiode (die irgendwie immer noch nicht beendet ist; also die Hitze schon, aber die Trockenheit nicht). Für mich bedeutete das Wässern ohne Ende. Erst mal ohne ausgeklügeltes Bewässerungssystem, d.h. ca. 2-3 Stunden Arbeit pro Tag. Dann wollte das viele Gemüse geerntet und verarbeitet werden.

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Und auch sonst gab es genug zu tun auf dem Hof. Daneben standen einige Aufträge für meine Firma in der Pipeline, die ich abarbeiten musste. Ohne nichts kommt nun mal nichts – leider. ;o)

Die ganze Zeit über begleitete mich eine bleierne Müdigkeit und ein ständiges Unwohlsein, das ich anfänglich dem Prüfungsstress zuschrieb. Nachdem mir jedoch zum wiederholten Mal das Frühstück fast aus dem Gesicht fiel, kam mir die Idee, dass mein Unwohlsein auch andere Ursachen haben könnte. Ein Schwangerschaftstest gab mir die Gewissheit: Schwanger – mit knapp 39 Jahren.

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Christof freute sich sehr über die Nachricht. Bei mir wollte sich die Freude hingegen nicht so richtig einstellen. Zu viele Dinge gingen mir durch den Kopf – ich sah erst einmal nur Probleme und Schwierigkeiten. Mein ganzes Leben würde auf den Kopf gestellt. Dazu das Alter, das für eine Schwangerschaft nun mal wirklich ein Risiko darstellen kann, bzw. für die Gesundheit des Babies. Dann die Hypothek mit meiner psychischen Krankheit. Die Hypothek mit Christofs Polyarthritis. Und dazu noch die gesellschaftliche und ökologische Entwicklung, die mir eigentlich gar nicht so gut gefällt. Vor diesem Hintergrund ein Kind in die Welt setzen erschien mir eher unverantwortlich. Um ehrlich zu sein, zog mich diese Situation erst einmal ziemlich runter und ich musste wirklich schwer mit mir kämpfen, um nicht in eine ausgewachsene Depression abzugleiten. Obwohl Christof wohl nicht wirklich verstand, was genau in mir vorging, unterstützte er mich in dieser Zeit sehr. Er unterstütze auch meine Entscheidung, eine CSV durchzuführen, da ich mögliche genetische Schädigungen des Fetus ausschliessen können wollte, die im jetzigen Stand der Wissenschaft auszuschliessen sind…mit der Konsequenz, welche ein positives Ergebnis dieser Untersuchung mit sich gebracht hätte. Nach drei Tage folgte dann aber die Entwarnung, d.h. mit unserem Baby ist – so weit man das sagen kann – alles in Ordnung. Für mich bedeutete das, dass ich mich nun wirklich darauf einstellen musste, Mama zu werden. Mich damit zu befassen, wie ich Studium, Firma, Hof und Kind unter einen Hut bringen will. Was es heisst, «fremdbestimmt» zu werden; etwas, das mir nicht sehr leicht fällt. Tja…

Seither ist wieder einige Zeit vergangen und bei uns stand der 1. August Brunch an – eine Tradition, die zum Nationalfeiertag in der Schweiz von vielen Bauernhöfen schon lange gepflegt wird. Für Christof und für mich war es das erste Mal, einen offziellen Brunch durchzuführen. Organisatorisch bringt so ein Anlass einiges mit sich. Mit dem Essen ist es nämlich nicht getan. Wir mussten für eine Schön- und eine Schlechtwetter-Variante sorgen, alle möglichen Gefahrenquellen auf dem Hof finden und «entschärfen», schauen, dass die Aussentoilette fertig wurde und die zu benutzenden Räumlichkeiten reinigen (beim Heustock eine Riesenaufgabe, die Christof super gemeistert hat). Auch dieses Mal sind mir meine Eltern tatkräftig zur Seite gestanden. Ich kann wirklich froh sein, so tolle Eltern zu haben. Denn am liebsten hätte ich den Anlass im Vorfeld abgeblasen – mir fehlte einfach die Kraft. Und doch rappelte ich mich immer wieder hoch und machte einfach weiter. Umso schöner, dass der 1. August Brunch von den Gästen dann so positiv aufgenommen wurde – ich darf mit Stolz sagen, dass wir das wirklich sehr gut gemacht haben. So gut, dass wir auch nächstes Jahr wieder einen anbieten werden.

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Mit Ausruhen war danach leider nichts, denn die Mohnernte stand an – von Hand, da in das kleine Feld kein Mähdrescher geschickt werden kann. Unter der prallen Sonne pflückten meine Eltern und ich eine Mohnkapsel nach der anderen. Einen (kleinen) Teil davon haben wir auch bereits aufgeschnitten und die Sämchen daraus befreit. Der grösste Teil wartet immer noch darauf, weiterverarbeitet zu werden…

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…und schon wartete das nächste Fest auf Christof und mich: unsere Ziviltrauung. Obwohl «Fest» etwas hoch gegriffen war. Wir hatten beschlossen, klammheimlich und nur im kleinsten Kreis, d.h. mit Trauzeugen und mit einem befreundeten Paar, welches uns chauffierte, zu feiern. Heiraten wollten wir deshalb, weil uns mit werdendem Nachwuchs dadurch viel lästiger Papierkram erspart bleibt. Heimlich, weil ich keine Lust auf einen weiteren Grossanlass hatte…so lange ich schwanger bin. Die grosse Hochzeitsfeier folgt dann im nächsten Jahr, wenn wir uns kirchlich trauen lassen. Ich gestehe, dass ich die Hochzeit im kleinen Kreis sehr genossen habe und dass mir der Tag als ein sehr schöner und lustiger in Erinnerung bleiben wird!

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Am nächsten Tag ging es dann gleich weiter mit dem Thurgauer Wettpflügen, welches dieses Jahr auf den Feldern von Christof ausgetragen wurde. Christof war als Chef-Experte im Einsatz, ich selber wollte eigentlich mit der Kamera auf die Pirsch, hielt mich aber wegen der Hitze doch meistens im «kühlen» Festzelt auf und ratschte mit den Leuten. Am Abend waren Christof und ich dann so ko, dass wir beide auf dem Sofa einschliefen und nur noch kurz aufstanden, um ins bequemere Bett zu wechseln. Der Regen, der endlich, endlich, den Weg zu uns fand, plätscherte uns schnell wieder in das Land der Träume.

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Und sonst? Inzwischen hat bei mir die grosse Kürbis- und Zucchetti-Ernte begonnen, ich musste viel Zeit am PC verbringen für meine Firma und verbrachte noch mehr Zeit mit Schlafen, weil mich seit Tagen starke Kopfschmerzen plagen. Die Einschreibung für das neue Semester ist eröffnet, die Vorbereitungen für drei Messen, an denen ich arbeiten werde, laufen, den administrativen Kram, der meine Namensänderung durch die Heirat mit sich bringt, habe ich auch in Angriff genommen.

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Heute hatte ich nun auch wieder einen Termin bei meiner Frauenärztin, bei dem ich das Thema Kopfschmerzen und Müdigkeit ansprach. Blut und Urin ist in Ordnung und auch das Wachstum des Babys ist normal. Der Blutdruck ist zu niedrig, aber nicht dramatisch. Möglicherweise scheint mir die hormonelle Umstellung immer noch Mühe zu machen…und mit meinen zwei Liter pro Tag scheine ich auch zu wenig zu trinken (na dann Prost). Glücklicherweise gibt es Schmerztabletten, die ich gefahrlos nehmen darf und die mir jetzt etwas Linderung verschaffen. Beim Trinken werde ich an mir arbeiten. Weiss der Geier, wo ich die ganze Flüssigkeit hinpacken soll. ;o)

Mit der Schwangerschaft habe ich mich irgendwie immer noch nicht angefreundet. Aber vielleicht geht das auch anderen Frauen so, die das erste Mal schwanger sind? Schliesslich war für mich bis vor einem Jahr das Thema Kinder noch nie eines. Im Gegenteil: ich war mir immer sicher, dass ich nie Kinder haben werde. Ich kann auch nur schwer akzeptieren, dass ich momentan wenig Einfluss auf meinen Körper habe; die Übelkeit nach dem Essen, die Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, …. Momentan stehen bei mir auch immer noch die Probleme (oder nennen wir es Herausforderungen) im Vordergrund, die der Nachwuchs mit sich bringen wird. Klar sind wir zu zweit und klar werde ich Christof in die Pflicht nehmen – schliesslich ist es nicht mein sondern unser Kind. Aber momentan ist mir wirklich noch nicht klar, wie ich das alles stemmen will. Aber vielleicht sehe ich das alles auch viel zu eng und lache in einem halben Jahr über die Gedanken, die ich mir jetzt mache.

Zu viel Action…irgendwie

3 Nov

Mein Blog hat ein wenig gelitten in der letzten Zeit. Auch meiner Kamera ist es in den letzten Wochen wohl ein wenig langweilig geworden. Das liegt nun nicht primär daran, dass ich keine Lust gehabt hätte, zu fotografieren oder zu schreiben, sondern vielmehr darin, dass ich nicht wusste, woher ich die Zeit nehmen sollte. Manchmal frage ich mich, ob es rein an mir liegt, dass mein Leben kaum einmal zur Ruhe kommt oder ob es tatsächlich so etwas wie Bestimmung gibt, die bei mir dieses teilweise so rasante Tempo, diese Wechsel und diese Neuigkeiten bewirkt. Primär war es diese Hofwoche, die so viel ausgelöst hat, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte denken können. Mit dem Thema Männer hatte ich ja eigentlich abgeschlossen: lieber kein Mann, als ständig irgendwelche faulen Kompromisse und Ärger. Und dann läuft mir doch tatsächlich Christof über den Weg. Oder ich ihm – je nachdem, wie man es betrachten will. Und plötzlich waren die Tage angefüllt mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten, mit Bewerbungen schreiben, mit Vorstellungsgesprächen (man sollte es nicht glauben), mit zwei Haushalten und dem unvermeidlichen und unsäglichen Pendeln zwischen zwei Orten. Ganz schön anstrengend. Aber auch schön. Denn auf der anderen Seite ist da ein lieber Mensch, der mir das Gefühl gibt, angekommen zu sein, der mich so nimmt, wie ich bin und der sich mit mir eine Zukunft vorstellen kann. Genauso, wie ich mir mit ihm. Das Wort «heiraten» klingt plötzlich gar nicht mehr so lächerlich in meinen Ohren und auch beim Thema Kinder stellen sich mir nicht mehr die Nackenhaare auf. Alles ganz ungewohnte Gedanken und Gefühle. Und mein Schatz an der Seite, mit dem ich mich darüber austauschen kann. Dann hat vor knapp zwei Monaten das Studium wieder begonnen, die Zeit wurde noch knapper und seit einer Woche arbeite ich nun auch wieder 50%…in der Nähe von Christofs Wohnort. Jaaaa, Nachtigall, ich hör‘ Dir trapsen – ich werde zu Christof ziehen, vielleicht noch im alten Jahr, aber ganz bestimmt im Januar 2015. Mein geliebtes, kleines Bauernhäuschen hat bereits wieder neue Mieter gefunden, die hoffentlich meinen schönen Garten, die Terrassen, etc. genauso zu schätzen wissen, wie ich das getan habe. Aber ich freue mich auf das Zusammenleben mit Christof. Wir haben es wirklich gut miteinander, lachen viel, reden viel, unternehmen viel gemeinsam – auch wenn es manchmal «nur» die Arbeit auf dem Hof ist. Und ich finde es total schön, dass Christof mit mir zusammen sein Haus renovieren will. Dass er mich voll mit einbezieht, mich mehr als nur mitreden lässt und sich mit mir auf das zukünftige Zuhause, auf unser Zuhause, freut. Und was heisst da überhaupt «renovieren wollen»!? Wir sind schon voll dabei: Abriss in Eigenregie.

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Da ich bis vor einer Woche noch über viel freie Kapazität verfügte, habe ich den Löwenanteil davon bewältigt. Christof musste schliesslich dafür sorgen, dass seine Frucht und das Obst geerntet und dass die Felder für das nächste Jahr schön vorbereitet werden. Natürlich auch mit meiner Unterstützung, wenn es die Zeit zuliess. Schliesslich finde ich es auch schön, ein Feld mit einem Pflug oder Grubber zu bearbeiten. Aber zurück zur Renovation: wir haben also das Erdgeschoss komplett entkernt. Wer das bereits einmal getan hat, der weiss, was das bedeutet. Es galt, das alte Täfer und Schilfrohrmatten mit dicken Gipsschichten von Wand und Decke runterzureissen, auch den Zwischenboden, auf dem kubikmeterweise Schlacke als Isolation verteilt war. Die Küche musste raus, der alte Kachelofen, das Bad, Decke und Boden vom oberen Zimmer, das ein Bad werden soll, die Klebbeläge auf der Treppe und letztendlich auch noch die ganzen Böden bis runter auf die Hourdisdecke. Das Material mit Schubkarren und in Eimern fein säuberlich getrennt auf verschiedene Haufen werfen, geschützt mit Feinstaubmaske, Schutzbrille, wenn möglich und Hörschutz, wo nötig. Dauerbegleitet von feinem Staub, der sich überall festsetzt und der kaum mehr wegzubringen ist. Jetzt ist langsam ein Ende in Sicht und das ist auch gut so, denn auch ich gehe so langsam aber sicher auf den Felgen. Manchmal frage ich mich halt schon warum immer wieder so viel auf einmal kommt. Klar ist, dass mich auch die Bauleitung ziemlich fordern wird, aber mindestens wird diese nicht mehr körperlich so anstrengend, wie der Abriss. Übermorgen ist das Koordinationsmeeting mit allen Handwerkern angesetzt und dann geht es los! Ich habe mir vorgenommen, über die Sanierung ein kleines Bautagebuch auf diesem Blog zu führen. Den Abriss habe ich mindestens ab und an mit dem Fotoapparat dokumentiert. Auch diese Fotos will ich bei Gelegenheit hier noch hochladen – ist halt für mich schon etwas einmaliges, eine Sanierung in dieser Dimension. Aber ich freue mich dann auch auf die Zeit, in der es endlich (vielleicht) einmal etwas ruhiger wird. Wenn es das denn mal wird. Denn es gibt ja noch so viele andere Dinge, die darauf warten, erledigt zu werden. Zum Beispiel mein zukünftiger Garten, der geplant werden will. Dann das «Projekt Schlafmohn», der Anzuchtraum, die Schiebetür vor dem Holzlager, die Sache mit dem Destillieren, etc., etc., etc. Nein, ich fürchte, ruhig wird es wohl noch lange nicht…

Selbstdisziplin

23 Mrz

ist «das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen», sagt der Duden.

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Leider haben die Selbstdisziplin und ich nicht das all zu innigste Verhältnis. Viel zu oft beginne ich etwas, merke nach einer gewissen Zeit, dass ich nicht mehr mit ganzem Herzen dabei bin, lasse es noch mehr schleifen und gebe es dann ganz auf. Danach ärgere ich mich meistens ganz fürchterlich über mich selber, weil ich einmal mehr versagt habe. Dabei würde ich mir doch wirklich wünschen, dass ich mich selber etwas besser im Griff habe: das Training nicht wegen Schnee oder Kälte ausfallen lassen; aufräumen, auch wenn mir nicht danach ist;  lernen, anstelle Löcher in die Luft starren; richtig kochen und nicht aus Bequemlichkeit aus dem Kühlschrank futtern, etc… Leider fürchte ich, dass durch den Wunsch alleine meine Selbstdisziplin nicht besser wird. Und immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich immer wieder an mir selber scheitere. Letztendlich würde mir eine grössere Portion Selbstdisziplin ja helfen, das eine oder andere zu erreichen. Was also hindert mich daran, den Arsch hochzubekommen und es einfach zu tun?!? Tja, auf diese Frage kann ich mir leider keine schlüssige Antwort geben. An meinen depressiven Episoden alleine kann es nicht liegen. Das wäre zu einfach. Auch nicht daran, dass ich grundsätzlich keine Ziele hätte. Vielleicht setze ich mir ja falsche Ziele. Oder zu viele Ziele. Oder unmögliche Ziele. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu faul oder zu bequem. Vielleicht sehe ich aber auch immer noch keinen Sinn darin, mich zu disziplinieren, um etwas zu erreichen. Vielleicht messe ich mir selber zu wenig Bedeutung bei, um mir die Mühe zu nehmen, diszipliniert zu sein. Vielleicht bin ich zu wenig ehrgeizig, zu wenig motiviert oder was weiss ich. Möglicherweise ist es eine unheilvolle Kombination von allem. Was aber nicht unbedingt heisst, dass deswegen alles verloren ist. Es gibt da ein Zitat von George McDonald, das gar nicht so verkehrt ist:

Der freie Wille besteht nicht in der Freiheit, das zu tun, was man tun möchte, sondern in der Kraft, das zu tun, was getan werden muss, auch wenn uns das innerlich widerstrebt.

Oder anders gesagt «verpass dem ollen Schweinehund einen ordentlichen Tritt in den Hintern, egal, wie es um Deinen allgemeinen emotionalen Zustand steht». So, und genau hier beisst sich die Schlange in den Schwanz. Für mich ist nach dem heutigen, total unproduktiven Tag jedoch klar: so kann es nicht weitergehen. Bzw. ich will nicht, dass es so weitergeht, weil ich endlich wieder mal das Gefühl haben möchte, dass ich mein Leben kontrolliere und nicht irgendetwas, das sich Leben nennt, mich. Für meine Selbstachtung ist das nämlich ziemlich kontraproduktiv. Also entweder gelingt es mir, in einem vernünftigen zeitlichen Rahmen eine gewisse Selbstdisziplin in den relevantesten Bereichen aufzubauen, oder ich muss echt über die Bücher gehen, um mir klar zu werden, ob und welche Zukunft es für mich geben kann.

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Nein, so nicht mehr!

Laut Steve Pavlina sind es fünf Säulen, auf denen die Selbstdisziplin steht, nämlich Akzeptanz, Willensstärke, harte Arbeit, produktive Zeit und Durchhaltevermögen. Mit diesem Ansatz will ich nun versuchen, meinen inneren Widerständen und meinen Schwächen auf den Grund zu gehen und sie auszuhebeln. Angefangen mit der Akzeptanz. Sie steht für die Realität, also dafür, mich so zu sehen, wie ich bin und sie vorerst so anzunehmen. Das ist jetzt keine revolutionär neue Erkenntnis, denn genau dieser Ansatz verfolgt ja auch die Achtsamkeit. In Bezug auf die Selbstdisziplin bedeutet Akzeptanz, dass ich mir ehrlich die Frage beantworte, wieviel Selbstdisziplin ich in welchen Bereichen aufbringen kann. Wenn ich das nämlich nicht weiss, kann ich sie auch nicht trainieren (so Pavlina). Also werde ich jetzt mal in den sauren Apfel beissen, eine Liste verschiedener Lebensbereichen erstellen, bewerten, wie hoch meine Selbstdisziplin in den verschiedenen Bereich ist, wo ich mir warum welche Ziele setze und welche ich am dringendsten verwirklichen muss, bzw. will…

Es wurde entschieden…

10 Feb

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Nach manchen Abstimmungen bei uns würde ich den Schweizer Pass am liebsten abgeben, weil ich mich dafür schäme, Schweizerin zu sein. So auch beim Ergebnis der Zuwanderungsinitiative der SVP. Die wurde gestern angenommen. Zwar nur sehr knapp mit 50.3%, aber trotzdem. Ich weiss nicht, welcher Teufel die Leute geritten hat, dieser Körnlipicker-Initiative eine Ja-Stimme zu geben.

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So wichtig, wie die Befürworter der Initiative glauben, ist die Schweiz für die EU nämlich wirklich nicht. Klar, rund 80% unserer Importe stammen aus der EU. Nur sind wir halt schon ein sehr kleines Land und ich denke, dass die EU auf diese 80% auch verzichten kann. Auf der anderen Seite fliessen immerhin 60% unserer Exporte in die EU. Das ist für uns Schweizer schon eine Schuhnummer. Wenn auch nur ein Teil davon fehlt, fallen bei uns ordentlich Arbeitsplätze weg. Ich finde, dass die EU diesbezüglich schon ein gutes Mittel hat, die Schweizer für die Annahme der Zuwanderungsinitiative abzumahnen. Bleibt nur zu hoffen, dass es dann ausschliesslich die Ja-Stimmer der Zuwanderungsinitiative sind, welche von möglichen Arbeitsplatzverlusten durch mögliche Sanktionen der EU betroffen sind!

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Klar, mich nervt es oftmals auch, dass die Schweiz immer voller und voller und voller wird. Unser Platz ist – alleine durch die Geographie gegeben – nun mal begrenzt. Mich nerven die verstopften Züge und Strassen auch sowie der wachsende Lohndruck und steigende Mieten durch die Wohnungsknappheit. Und ich rege mich manchmal auch auf darüber, dass gewisse Stellen kaum mehr mit Schweizern besetzt zu werden scheinen – aus welchen Gründen auch immer. Aber diese Initiative ist der falsche Weg, diese Herausforderungen anzugehen. Finde ich.

Ich beneide unsere Regierung nicht, die nun in Verhandlungen mit der EU treten muss. Ist schon eine Sisyphusarbeit, wenn solche Abstimmungsresultate den Fortschritt einer Zusammenarbeit immer wieder auf Null zurücksetzen. Immerhin haben unsere Regierungsvertreter nun 3 Jahre Zeit, einen entsprechenden Gesetzesentwurf auszuarbeiten. Das gibt auch den Gegner der Initiative genug Zeit, Kräfte für ein Referendum gegen eben diesen Entwurf zu mobilisieren. Vielleicht begreifen bis dann auch einige Ja-Stimmer, dass sie sich da in etwas verrannt haben. Vielleicht (hoffentlich) sehe ich das alles auch nur viel zu schwarz und der EU – oder mindestens einzelnen Ländern daraus – ist nichts daran gelegen, an der Schweiz ein Exempel zu statuieren. Tja, wir werden sehen, ob und welche politische Folgen dieses doch eher überraschende Ja, nach sich ziehen wird.

Ich freue mich auf 2014

30 Dez

Vorsätze sind dazu da, gebrochen zu werden. So oder ähnlich klingt es gerne mal von verschiedenen Seiten. Ich gehöre auch zu der Fraktion, die sich fürs neue Jahr immer wieder Vorsätze genommen hat, die meistens früher oder später (eher früher) wieder versandet sind. Vielleicht liegt das damit zusammen, dass ich diese Vorsätze oft einfach so dahingesagt habe. Ohne sie zu konkretisieren – ähnlich wie Ziele, die ja eigentlich auch so formuliert werden sollten, dass sie umsetzbar und messbar sind. Deswegen will ich das im 2014 anders handhaben, als bisher: keine Vorsätze, nur damit ich mir Vorsätze nehme. Sondern klare Ziele, die ich zum Teil diffus schon lange vor Augen, sie jedoch nicht mit konkreten, umsetzbaren Massnahmen hinterlegt habe.

 

Vorsätze für die Seele

  • mich nicht mehr aus den Augen verlieren – achtsam bleiben
  • tägliche Katzen knuddeln-Einheit beibehalten
  • weiterhin ein Blog-Beitrag pro Tag
  • wieder TÄGLICH meditieren
  • einmal pro Woche kreativ sein

 

Vorsätze für die Gesundheit (und die Seele)

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  • Gewicht reduzieren durch ausgewogenere Ernährung und Sport
  • weiterhin Finger weg von Zigaretten (seit Trennung meines ehem. Partners habe ich nicht mehr geraucht)
  • Normalen Schlafrhythmus erreichen – min. 6 Std. Schlaf pro Nacht –> Zolpidem ab 1. Januar durch Trittico ersetzen und Trittico bis 15. Februar absetzen; Einschlafritual finden

 

Vorsätze für die berufliche Zukunft

  • Organisationsplan für Studium/Arbeit/Haushalt/Freizeit bis 2. Januarwoche erstellen; Selbstmanagement laufend verbessern –> Kalender aktuell halten; nichts aufschieben, wenn es nicht notwendig ist; Dinge gleich wieder wegräumen, nachdem ich sie benutzt habe
  • Bis Ende Januar Lebenslauf neu erstellen und danach pro Woche vier Bewerbungen schreiben

*huch* Das hört sich jetzt erst einmal nach ziemlich viel an. Aber ich denke, es ist machbar. Einige der formulierten Vorsätze habe ich sowieso bereit in meinem Leben integriert. Bei anderen wird es noch etwas Zeit brauchen, bis ich so weit bin. Und beim Gewicht und der Fitness wird sich zeigen, ob ich die Disziplin aufbringe, um meine Pläne wirklich umzusetzen. Die Voraussetzungen dafür habe ich auf jeden Fall geschaffen – das Rudergerät ist gereinigt und gewartet, der Termin für das Wushu-Probetraining steht, der Kühlschrank wird nach morgen Abend «leer» sein, die Sportklamotten liegen bereit.

Ich freue mich auf 2014! Es wird kein leichtes Jahr, aber ein interessantes. Das erste Jahr, das ich nicht so nehme, wie es kommt und mit «Augen zu und durch» hinter mich bringe, sondern das ich bewusst angehen, gestalten und leben will.

 

In diesem Sinn wünsche ich allen einen schönen Silvester und einen guten Start ins neue Jahr! :-)

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