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Ein Stück weiter

6 Mrz

Ein weiterer Tag, der hinter mir liegt. Nicht Freitag, wie ich die ganze Zeit fälschlicherweise im Kopf hatte. Das ist das Fatale, wenn die Tagesstruktur mangels Arbeit, Familie oder Schule fehlt – die Zeit verliert an Bedeutung, die Tage fliessen ineinander, die Nacht wird zum Tag, aus Februar wird März, so mir nichts Dir nichts.

Die Therapie hat gut getan – auch wenn ich einen ziemlichen Monolog geführt habe. Aber da war so viel, das raus musste. In den nächsten Sitzungen werden wir noch ein paar Tests machen, um gewisse Verdachtsmomente von mir zu überprüfen. Und natürlich werde ich mich weiterhin auf die Suche nach meinen Erinnerungen machen, die paar Fetzen, die ich habe zu vergrössern, um mehr und mehr ein Bild zu erhalten. Dass ich wieder einmal geträumt habe wertet mein Therapeut als Erfolg – einerseits, weil ich mal wieder so geschlafen habe, dass ich überhaupt in die Traumphase hinübergeglitten bin und andererseits, weil das ein Zeichen sein könnte, dass ich wieder ein Stück weiter gekommen bin.

Der Nachmittag mit Max war kurzweilig. Wir brauchten erst ein wenig Zeit, um uns zu beschnuppern und das Eis zu brechen, doch danach war gut. Wir haben ein Spiel gespielt, einen Schneemann und einen Schneehasen gebaut (ich ohne Handschuhe – auaaaaaa) und ein wenig rumgealbert. Dann haben wir seine Mama vom Kurs abgeholt, mit dem Auto, und Max durfte stolz wie Harry vorne sitzen. Ist ein gutes Gefühl, dass dieser Nachmittag so reibungslos abgelaufen ist. Das hat mir echt ein Stück Selbstvertrauen gegeben. Und es war schön, wieder einmal mit Neka zu plaudern. Ihr geht es momentan nicht so gut – die letzten Monate waren für sie auch nicht sehr einfach. Da frage ich mich dann doch wieder, ob das Leben überhaupt jemals einfach ist. Ob es einfach sein könnte. Aber das ist ein Thema, das ich ja bereits des Langen und Breiten abgehandelt habe. Und immer noch nicht viel weiter bin. Deswegen lasse ich das jetzt einfach mal bleiben. Als Merci wurde ich dann von der Familie beim Italiener zum Abendessen eingeladen, mit lecker Weinchen. War gemütlich. Wir blieben jedoch nicht lange sitzen, das wir alle etwas müde waren.

So hatte ich zuhause eben noch die Zeit, dem neuen Bild den letzten Feinschliff zu verpassen. Ich bin gespannt, ob sich Dr. V. darüber freut. Am liebsten würde ich es nicht weggeben, weil ich selber finde, das es ganz gut gelungen ist. Trotz Farbe und allem. Aber eigentlich sollte man ja Dinge verschenken, über die man sich selber auch freuen würde. Insofern ist das ja gut so.

achtsam

Nach einer Tasse mit heisser Gewürzmilch werde ich nun auch bald mein Bett ansteuern. Ich bin nämlich genau so müde, wie gestern Abend. Dieses Gefühl ist wirklich total neu für mich. Dass ich das Gefühl habe „uff, müde, ich muss ins Bett“ und das erst noch so früh. Ich bin recht gespannt, ob sich das eine Weile hält. Und ob die Träumerei wirklich damit zusammenhängt.

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Wie immer und doch anders

3 Feb

Es ist Sonntag. Ein Sonntag, wie all die letzten Sonntage. Ein ruhiger Sonntag. Draussen ist weiss und kalt, ich sitze auf meinem Sofa und mache nichts. Naja, ich schreibe. Und spiele nebenbei mit Freitag. Der bringt mir immer wieder seinen Lieblingsstrick, den ich ihm werfen muss. Und im Ofen schmort seit gerade eben ein Bananensoufflée. Ja, eigentlich ist es ein ganz normaler Sonntag, der sich an die Sonntage der vergangenen Wochen anreiht. Und doch ist er anders. Denn morgen ist für mich kein Montag. Auch wenn Montag ist. Denn morgen ist für mich der erste Tag ohne Klinik. Das fühlt sich in mir sehr, sehr merkwürdig an. Fremd. Und beängstigend. Ich bin wieder auf mich alleine gestellt. Naja, so ziemlich. Habe keine Struktur mehr. Es sei denn, ich schaffe sie mir selber. Ja, das muss ich. Mir eine Tagesstruktur schaffen. Zum Glück bin ich so gut darin. *zynischlach*

Mein Energielevel ist momentan wieder recht niedrig. Wenn Lene  gestern nicht gewesen wäre, dann wäre ich nicht eine Minute aus der Wohnung gekommen. Wir waren zusammen Pizza essen, von der ich bis heute noch zehre. Danach war ich auf den Felgen – der Geräuschpegel im Restaurant war für meinen Geschmack etwas zu hoch. Aber das sagt nichts aus, ich bin diesbezüglich ja eher empfindlich. Viel habe ich heute noch nicht auf die Reihe bekommen. Owohl so viel zu tun wäre.

130203_to_do

Unlust trifft meinen Zustand wohl am treffendsten. Habe schon mal bis 11 geschlafen. Darüber bin ich froh. Dass ich so schnell einschlafen und gut durchschlafen konnte. Nun ja, es war zu erwarten – wozu sonst die Chemie. Aber jetzt muss ich unbedingt in die Hufe kommen. Erst einmal etwas essen und dann versuchen, minestens etwas von dieser doofen to do-Liste abzustreichen. Sonst kann ich mich gleich wieder wegballern, weil der Hass auf mich übermächtig wird. Schon erstaunlich, wie mich „neue“ Situationen komplett aus dem Tritt werfen.

 

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