Selbstdisziplin

23 Mrz

ist «das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen», sagt der Duden.

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Leider haben die Selbstdisziplin und ich nicht das all zu innigste Verhältnis. Viel zu oft beginne ich etwas, merke nach einer gewissen Zeit, dass ich nicht mehr mit ganzem Herzen dabei bin, lasse es noch mehr schleifen und gebe es dann ganz auf. Danach ärgere ich mich meistens ganz fürchterlich über mich selber, weil ich einmal mehr versagt habe. Dabei würde ich mir doch wirklich wünschen, dass ich mich selber etwas besser im Griff habe: das Training nicht wegen Schnee oder Kälte ausfallen lassen; aufräumen, auch wenn mir nicht danach ist;  lernen, anstelle Löcher in die Luft starren; richtig kochen und nicht aus Bequemlichkeit aus dem Kühlschrank futtern, etc… Leider fürchte ich, dass durch den Wunsch alleine meine Selbstdisziplin nicht besser wird. Und immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich immer wieder an mir selber scheitere. Letztendlich würde mir eine grössere Portion Selbstdisziplin ja helfen, das eine oder andere zu erreichen. Was also hindert mich daran, den Arsch hochzubekommen und es einfach zu tun?!? Tja, auf diese Frage kann ich mir leider keine schlüssige Antwort geben. An meinen depressiven Episoden alleine kann es nicht liegen. Das wäre zu einfach. Auch nicht daran, dass ich grundsätzlich keine Ziele hätte. Vielleicht setze ich mir ja falsche Ziele. Oder zu viele Ziele. Oder unmögliche Ziele. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu faul oder zu bequem. Vielleicht sehe ich aber auch immer noch keinen Sinn darin, mich zu disziplinieren, um etwas zu erreichen. Vielleicht messe ich mir selber zu wenig Bedeutung bei, um mir die Mühe zu nehmen, diszipliniert zu sein. Vielleicht bin ich zu wenig ehrgeizig, zu wenig motiviert oder was weiss ich. Möglicherweise ist es eine unheilvolle Kombination von allem. Was aber nicht unbedingt heisst, dass deswegen alles verloren ist. Es gibt da ein Zitat von George McDonald, das gar nicht so verkehrt ist:

Der freie Wille besteht nicht in der Freiheit, das zu tun, was man tun möchte, sondern in der Kraft, das zu tun, was getan werden muss, auch wenn uns das innerlich widerstrebt.

Oder anders gesagt «verpass dem ollen Schweinehund einen ordentlichen Tritt in den Hintern, egal, wie es um Deinen allgemeinen emotionalen Zustand steht». So, und genau hier beisst sich die Schlange in den Schwanz. Für mich ist nach dem heutigen, total unproduktiven Tag jedoch klar: so kann es nicht weitergehen. Bzw. ich will nicht, dass es so weitergeht, weil ich endlich wieder mal das Gefühl haben möchte, dass ich mein Leben kontrolliere und nicht irgendetwas, das sich Leben nennt, mich. Für meine Selbstachtung ist das nämlich ziemlich kontraproduktiv. Also entweder gelingt es mir, in einem vernünftigen zeitlichen Rahmen eine gewisse Selbstdisziplin in den relevantesten Bereichen aufzubauen, oder ich muss echt über die Bücher gehen, um mir klar zu werden, ob und welche Zukunft es für mich geben kann.

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Nein, so nicht mehr!

Laut Steve Pavlina sind es fünf Säulen, auf denen die Selbstdisziplin steht, nämlich Akzeptanz, Willensstärke, harte Arbeit, produktive Zeit und Durchhaltevermögen. Mit diesem Ansatz will ich nun versuchen, meinen inneren Widerständen und meinen Schwächen auf den Grund zu gehen und sie auszuhebeln. Angefangen mit der Akzeptanz. Sie steht für die Realität, also dafür, mich so zu sehen, wie ich bin und sie vorerst so anzunehmen. Das ist jetzt keine revolutionär neue Erkenntnis, denn genau dieser Ansatz verfolgt ja auch die Achtsamkeit. In Bezug auf die Selbstdisziplin bedeutet Akzeptanz, dass ich mir ehrlich die Frage beantworte, wieviel Selbstdisziplin ich in welchen Bereichen aufbringen kann. Wenn ich das nämlich nicht weiss, kann ich sie auch nicht trainieren (so Pavlina). Also werde ich jetzt mal in den sauren Apfel beissen, eine Liste verschiedener Lebensbereichen erstellen, bewerten, wie hoch meine Selbstdisziplin in den verschiedenen Bereich ist, wo ich mir warum welche Ziele setze und welche ich am dringendsten verwirklichen muss, bzw. will…

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6 Antworten to “Selbstdisziplin”

  1. desweges 24. März 2014 um 17:36 #

    Fühl mich voll und ganz angesprochen. Autsch. Hab das gleiche Problem. *seufz*
    LG desweges

    • Charlotte 24. März 2014 um 23:47 #

      Auch wenn das an sich nicht sehr schön ist: es beruhigt mich doch immer wieder zu merken, dass andere ähnliche Schwierigkeiten haben. ;-)
      Liebe Grüsse
      Charlotte

  2. grinselamm 24. März 2014 um 15:42 #

    kaum einer gibt es zu – daher schon mal Respekt, dass du nicht nur dir klar machst, wie du mit der Selbstdisziplin stehst, sondern auch den Lesern und dann nicht rumjammerst, sondern was tun willst, damit es dir damit besser geht. Ich weiß, auch für mich nicht, inwie weit man die dauerhaft trainieren kann. Halt uns auf dem laufenden :-)

    • Charlotte 24. März 2014 um 23:43 #

      „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu Besserung“, heisst es doch. Ich mag diesen Spruch nicht wirklich leiden, denn mit der Selbsterkenntnis alleine kann ich mir noch gar nichts kaufen. Aber Rumjammern alleine hilft genauso wenig. Also bleibt nur noch das Ausprobieren. Was mich noch etwas bedenklich stimmt ist, dass ich vermutlich viel Selbstdisziplin brauchen werde, um die Selbstdisziplin zu trainieren. *rolldieaugen* Ich werde berichten…

  3. Eva 23. März 2014 um 20:56 #

    finde ich gut dass du diesbezüglich einmal nach innen schaust. Ich glaube immer noch, dass du dir einfach zuviel vornimmst auf einmal. Ich bin leider auch nicht näher verwandt mit der Selbstdisziplin und im Moment ist die gar nicht vorhanden, wenigstens würde ich gerne meditieren einmal pro Tag. Ist halt auch schwierig, wenn man jeden Tag den Kopf voller Dinge hat (sogar beim Reisen..), ich kann dich gut verstehen. Ich hab ja ohne Studium schon Mühe. Du bist eine richtige Powerfrau und ich bin immer wieder beeindruckt, was du alles au die Beine stellst und in welcher Perfektion!! Ich denke du bist wahrscheinlich viel disziplinierter als du selber glaubst ;-).

    • Charlotte 24. März 2014 um 23:19 #

      Du verstehst es echt, mich zu motivieren! Aber ich fürchte, dass ich wirklich genau so undiszipliniert bin, wie ich das denke. Warum auch immer das so ist. Und dann denke ich manchmal wieder, dass ich wirklich alles am liebsten einfach hinschmeissen möchte weil ich nicht weiss, wo ich die ganze Energie hernehmen soll, um ein normales Leben zu führen. Naja, mal schauen…
      Bekommst Du denn Deinen Kopf auch bei den schönen Ausflügen nicht frei? Oder „nur“ wenn Du wieder im Zimmer oder unterwegs im Zug oder Bus bist?
      Ganz liebe Grüsse
      Charlotte

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