pietätlos

13 Dez

Menschen sind oftmals schon komische Wesen. Ich auch, schliesslich bin ich Mensch. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass ich eher ein Zombie bin. Aber das ist ein anderes Thema. Früher dachte ich immer «wie soll ich andere Menschen verstehen, wenn ich nicht mal mich selber verstehe». Aber je mehr ich mich verstehe, desto weniger verstehe ich die anderen. Verrückt, aber ist so. Vermutlich geht es auch gar nicht darum, die anderen verstehen zu müssen – das wäre wohl zu viel verlangt. Eher geht es darum, sich selber zu kennen und zu verstehen, in diesem Wissen gewisse Handlungen und (Re)Aktionen zu vermeiden, von denen man weiss, dass andere davon irgendwie beeinträchtig sein könnten und versuchen, die anderen so zu akzeptieren, wie sie sind. Hört sich gut an, finde ich aber in der Umsetzung  verdammt schwierig.

Zum Beispiel heute Morgen, als es darum ging über den Schlussbericht z.Hd. der IV zu sprechen. Ich bin nach dem langen Gespräch, in dem ich – zum xten Mal – versucht habe, meine Sichtweise und Bedürfnisse aufzuzeigen, davon ausgegangen, dass der Bericht schon in Ordnung sein wird. Tststs, falsch gedacht. Ich werde also doch einen eigenen Bericht schreiben müssen, in dem ich zu einzelnen Elementen des IV-Berichts Stellung beziehen werden. Und zwar dort, wo schlicht falsche oder missverständiche Angaben drin stehen. Auch wenn ich von der IV nichts mehr will: so etwas mag ich nicht im Raum stehen lassen. Unter anderem deshalb weil ich denke, dass ich nicht die einzige bin, bei der bei so einem Bericht nur noch Kopfschütteln ausgelöst wird. Ganz ehrlich, ich kam mir vor wie ein Wackeldackel, nein, nein, nein. Details zu diesem Thema werden noch folgen. Da sind einfach noch zu viele chaotische Gedanken, die in meinem Kopf rumhängen und darauf warten, dass ich sie erst fein säuberlich sortiere, bevor ich zum Angriff übergehe. Gut, das ist das eine Erlebnis heute, welches gewisse pietätlose Züge mit sich gebracht hat.

Zum Glück hatte ich heute Therapie und konnte etwas Dampf ablassen. «Sie sind schon recht wütend?» bemerkte mein Therapeut recht schnell. Wie Recht er hatte, ich war sauer. Denn vom Morgen bis zum Nachmittag hatte ich bereits genug Zeit, einige Dinge sacken zu lassen und andere für mich genauer zu durchleuchten. Das Ergebnis war echter, reiner Zorn, mit einer Prise Trotz und einem grossen Anteil «normal geht es nicht? Dann halt auf die harte Tour». Dürfte in den nächsten Tagen noch interessant werden.

Der letzte Brüller habe ich heute Abend noch erlebt. Dafür musste ich aber erst einmal ziemlich tief sinken. Nur dieser Taucher –  I tell you – der hat sich echt gelohnt, ich fühle mich – was das kommende Thema betrifft – total geläutert. Und zwar habe ich mich vor etwas über einer Woche wieder bei dieser Online-Partnerplattform angemeldet, bei der ich auch meinen Ex kennengelernt hatte. Das ist meine Art, um mit dieser Trennung umzugehen. Wie schon der Doc im Song «Nothing compares to you» empfahl: «He said, Girl, you better try to have fun no matter what you do». Und in meinen Augen ist das durchaus eine gute Strategie, solange man sich bewusst ist, warum man das macht – in meinem Fall aus Trotz. Da ich absolut keine Lust auf irgendwelche abgefahrenen Freaks oder Abenteuersuchende habe, ist mein Profil bereist ziemlich eindeutig formuliert. Die Rückmeldungen werden dadurch zwar etwas weniger. Aber ich habe nichts einzuwenden, wenn sich die Spreu bereits vor einem wie auch immer gearteten Kontakt vom Weizen trennt. Ok, ich also heute Abend auf dieser Plattform, chatte hier etwas und da, beantworte Nachrichten, Nachrichten von Menschen, Männern, die sich interessant anhören. Und da fällt mir ein, was mich Lene am Mittag gefragt hat und zwar, ob ich mal nachgeschaut hätte, ob mein Ex auch wieder angemeldet sei. Nein, habe ich nicht. Weil es mich eigentlich nicht interessiert was er macht. Weil seine Reaktion auf unser letztes Gespräch so abgefahren nicht vorhanden war, so dass es bereits an Prostitution grenzen würde, wenn ich mich bei ihm noch einmal melden würde. Natürlich konnte ich es nicht lassen , diesen tiefen Fall noch auf mich zu nehmen und nach seinem Profil zu suchen. Ich fand es ziemlich schnell, der genau gleiche Text wie damals als wir uns kennengelernt haben.:

Hallo Du hoffentlich knuffig Unbekannte :-)
Vielleicht……ja, vielleicht treffe ich hier meine Copilotin, Partnerin im Boot & Wegbegleiterin. In diesem Sinne…
Finde einen Jungen, der DICH wunderschön nennt, anstatt DIR zu sagen, dass DU „geil“ bist.
Einer, der DICH zurückruft, wenn DU im Streit auflegst. Und der nur wach bleibt, um DICH beim schlafen zu beobachten.
Finde einen Jungen, der Deine Stirn küsst, der DICH der ganzen Welt zeigen will und der auch vor seinen Freunden zeigt, dass DU  zu ihm gehörst.
Finde einen Jungen, der sich ständig daran erinnert, wie glücklich er darüber ist, DICH an seiner Seite zu haben.
Und einen, bei dem DU weisst, DU kannst ihm jedes einzelne Wort glauben, das er sagt.

Sodale und wie tickst Du?

Wow, schaut schön aus, dieses Kartenhaus, das er sich gebaut hat. Einladend. Aber kracht verdammt schnell um. Weil das Fundament aus Eigenschaften wie «Nicht wissen, was er will» (was sogar in Unehrlichkeit führen kann) und mangelnde Konfliktfähigkeit gebaut ist. Da hält das beste Häuschen nicht und stürzt in sich zusammen. Leider.

Gut, er ist also drin, im Netzt und sogar online. Ich war ja gespannt, ober er sich bei mir melden würde. Schliesslich beteuerte er ja noch am letzten Tag, an dem wir uns gesehen habe, wie sehr er mich liebe. Aber seither hatte ich überhaupt nichts mehr gehört, gesehen oder gelesen. Ich hatte mich noch einmal gemeldet – ohne Reaktion. Ich habe mir sein Profil angesehen und fand es ziemlich kaltschnäutzig, dass in seinem Profil diejenigen Fotos aufgeschaltet sind, die ich von ihm gemacht habe. Pietätlos halt, ganz ehrlich. Ich kann ihn diesbezüglich nicht verstehen. Und ich mag auch nicht die Gelassenheit in Person sein und überhaupt nicht drauf reagieren. Im Gegenheit:  Meine Gefühle dazu habe ich ihm in einem Dreizeiler aufs Mail getan und abgeschickt. Er hat es nicht gelesen, sondern hat Online-Plattform  fluchtartig verlassen. Ganz ehrlich, wie feige kann man sein, wenn man sich einer Person nicht stellt, der man noch vor ein paar Wochen die grosse Liebe geschworen. *ääääh* verlogen!

Aber für mich war diese Sitation – so unschön sie für mich auch sein mag – sehr gut. Ich habe in den letzten Wochen und Tagen immer wieder hin- und her überlegt, ob ich noch etwas machen sollte, ob es doch noch eine Lösung gäbe.  Jetzt aber bin ich endgültig überzeugt: Nein, es gibt keine Lösung, denn noch wenn es eine gäbe möchte ich keine Gemeinsame Zukunft mit jemanden, der Luftschlösser baut, die keinen Bestand haben. Für mich ist dieses Thema endgültig durch.

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8 Antworten to “pietätlos”

  1. Eva 14. Dezember 2013 um 12:18 #

    schaut eben zu einladend aus… mit solchen Texten kann man mich verjagen. Ein Mann ist ein Mann ist ein Mann. Wenn Frau glaubt, dass einer „anders“ wäre, dann hat sie sich getäuscht.

    Den wahren Charakter einer Person erkennt man eben in schlechten Zeiten.

    • Charlotte 14. Dezember 2013 um 13:12 #

      Es gibt bestimmt auch andere. Solche, die sich kennen, ehrlich sind und nichts vorspielen müssen, die wissen, was sie wollen und nichtwollen und die das auch klar kommunizieren können. Ganz bestimmt. :-)

      • Eva 14. Dezember 2013 um 14:55 #

        …dann wünsch ich dir viel Glück dass Du die Nadel im Heuhaufen findest…

      • Charlotte 15. Dezember 2013 um 00:00 #

        Na, wer weiss – vielleicht trete ich ja drauf. Weil suchen mag ich nicht… :-)

  2. nandalya 13. Dezember 2013 um 08:27 #

    Ich stehe Flirt-Portalen äußerst skeptisch gegenüber. Oft genug wimmelt es dort von Fakes und den Abschleppern. Gut, mir ist das egal. Ich brauchte das nie. Eine Freundin haben wir zwar auf diese Weise verkuppelt, aber das war vermutlich Glück. Vielleicht lag es auch an der eher begrenzten Auswahl. So viele lesbische Frauen gibt es nicht.

    Viele Menschen bauen sich vor allem in Internet ihr Kartenhaus auf. Das hast du gut erkannt. Worte gibts genug dafür. Zitate, kluge Sprüche und und und … Die wenigsten davon stammen vom Ersteller selbst.

    • Charlotte 14. Dezember 2013 um 12:58 #

      Ich bin ganz Deiner Meinung, dass auf Online-Portalen sehr viele Blender zu finden sind. Vermutlich sind jedoch auch viele zu finden, die sich dort so darstellen, wie sie gerne wären und gar nicht merken, dass sie sich selber ganz falsch darstellen. Selbsterkenntnis ist ja nicht immer einfach. ;-) Ich sage mir dann aber auch immer wieder, dass ich ja auch auf so einem Portal bin und versuche, mich so zu geben, wie ich bin. Also sollte ich auch das Vertrauen haben, dass es auch andere gibt, die kein Interesse daran haben, etwas vorzugeben, das sie nicht sind. Die Kunst liegt tatsächlich darin, diese zu erkennen. :-) Diesbezüglich habe ich bei meinem Profil in der Beschreibung bereits ein paar Stichworte eingebaut, die Abschlepper und bewusste Fakes abschrecken mag. :-D
      Was ich persönlich schade finde ist, dass es so schwierig ist über Online-Portale (nicht ausschliessliche Flirt-Portale) Frauen kennen zu lernen. Einfach so, um ein bisschen zu quatschen, sich vielleicht ab und an zu treffen, etc. Aber das ergibt sich dann ja vielleicht im Rahmen des Studiums. :-)
      Liebe Grüsse
      Charlotte

      • nandalya 16. Dezember 2013 um 14:40 #

        Es gibt reine Seiten für uns Mädels. Aber die sind dann vermutlich nicht, was du suchst. Und selbst bei den Lesben gibt es Fakes und Blender. Aber das gehört nicht hierher. Ich war da nie unterwegs. Zumindest nicht für meine eigene Person.

      • Charlotte 17. Dezember 2013 um 02:21 #

        Eher nicht. Obwohl ich denke, dass Frauen auf diesen Plattformen aufgeschlossener sind gegenüber einfachen Freundschaften aus der sich nicht mehr ergibt

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