Bye Bye Venlafaxin – Tag 7

12 Dez

Kaum zu glauben, eine Woche Entgiftung habe ich bereits hinter mir und so langsam scheint es ein Lichtlein am Ende des Tunnels zu geben. Mein Kreislauf hat sich fast wieder normalisiert, auch die Schwindelattacken sind viel weniger geworden. Der Magen ist schon fast wieder der alte. Ist also alles ganz erfreulich. Was mich enorm stresst ist dieses Wärme-Kälte-Missempfindens-Ding, das mich verfolgt: bei überheizten 24 Grad im Wohnzimmer fröstle ich und die Füsse sind eiskalt. Kaum eingepackt in warme Decken, mit Fleece und mit Wärmekissen, könnte ich gleich alles wieder vom Leib reissen, weil ich zu verbrennen drohe. Ist echt anstrengend. Und überhapt das Bescheuerste ist, dass ich nicht einschlafen kann. Auch wenn ich durchaus schlafwillig im Bett liege. Gestern hat es nach 25 mg Zolpidem endlich geklappt. Diesen Text schreibe ich mit Einfluss von 10 gm Zolpidem, das mich sonst zuverlässig ins Traumland befördert. Obwohl im Geist nicht mehr so frisch, fühlt sich mein Körper an wie das des Duracellhasen – dieses Mal vielleicht nicht trommelnd, aber skilaufend, auf jeden Fall wie nach einer unfreiwilligen Überdosis MDMA. Nicht schön! Also werde ich jetzt noch einmal aus dem Bett klettern und eine weitere dieser weissen Pillen holen und mir einverleiben, in der Hoffnung, dass sich der Schlaf zu angenehmer Entspannungsmusik, wahlweise zu einer geführte Schlafmeditation dann auch einstellt. Morgen sollte ich nämlich einigermassen fit sein weil das Abschlussgesspräch mit der IM-Leiterin noch ansteht. Das richtig offizielle, mit unterschreiben des Protokolls und so. Eigentlich hätte ich auch noch einen Bericht z.Hd. der IV schreiben sollen – die IM-Massnahm aus der Sicht einer Teilnehmerin, die gegen die blöökende Masse läuft. Das schwarze Schaf, sozusagen. Ich bezeichne mich zwar lieber als Rohdiamant, der einfach noch den richtigen Schliff braucht. Und den richtigen Schliff bestimme ich – is ja wohl logisch. ;-) Aber wie zwischen den Zeilen zu erkennen ist, habe ich noch nix geschrieben. Weil sich meine Lust dazu in ganz engen Grenzen hält. Ich habe so viel mit den Leuten gesprochen und hätte all das gesprochene auch als Monolog vor einer getünchten oder auch nackten Wand vortragen können – der Effekt wäre der Gleiche geblieben. Ob das mit Schreiben anders wird, bezweilfe ich. Ich könnte zwar mal wider den Zweihänder – wie ihn meine Mama liebevoll nennt – aus dem Schrank nehmen und mit meinem Schreiben ein paar „wichtigen“ Sesselsitzern Beine machen. Das dürfte – wenn überhaupt – in meinem Fall ev. helfen. Und wenn der nächste in einer Ähnlichen Situation kommt, ist alles wieder beim Alten, weil Behörden nun mal Behörden sind. Deswegen lässt sich meine Motivation auch nur sehr schwer dafür hinter der Ecke hervorreissen. Wenn dieser kleine Zwergenaufstand in den Behörden wenigstens ein minimales Umdenken bewirken würde, dann könnte so ein Schreiben vielleicht sogar noch Spass machen – trotz all der Nörgelei, die ich dort reinpacken müsste. Ich könnte mich an konstruktiver Kritik üben, jovial und milde, für gute Laune sorgen und dann – am Schluss mit dem Zweihänder die Sachlage in Stein meisseln. Oder so… Aber was soll’s, heute kommt je eh nix gescheites mehr bei rum……….

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7 Antworten to “Bye Bye Venlafaxin – Tag 7”

  1. giftigeblonde 12. Dezember 2013 um 17:58 #

    Charlotte ich freu mich dass es dir etwas besser geht, bis auf die Hitzewallungen und Kälteschübe, aber ich denke das wird auch vergehen.
    Ist ja immer noch genug von dem Zeugs in dir drinnen.
    Ist das gut dass du das andre Zeugs zum Schlafen gehen nimmst? Ich persönlich versuch es immer so, dass ich unangenehmes anfangen, zb. bügeln gggg…da werde ich garantiert gleich müde ;-)

    Musst du diese Abschlussbericht schreiben? Weil wenn nicht, und du der Meinung bist, der ist eh für die Katz, dann würde ich mir das sparen.

    Wie war dein Gespräch heute?

    hoffe heute noch von dir zu lesen, und wünsche dir schon mal ein schönes WE :-)
    Sina

    • Charlotte 12. Dezember 2013 um 20:20 #

      Liebe Sina, das kann schon dauern, bis ich ganz entgiftet bin. Aber ich merke Fortschritte.
      Ist lustig, dass Du das Schlafmittel ansprichst – war heute nämlich auch Thema bei meinem Therapeuten. Ich möchte es nämlich auch absetzen, will aber verhindern, dass ich zu wenig Schlaf bekomme. Deswegen möchte ich als Überbrückung etwas weniger heftiges, bevor ich auch pflanzliche Unterstützung umsteige und dann versuche, ganz ohne Hilfe zu schlafen. Momentan wäre das überhaupt nicht möglich, denn ich kann machen was ich will, ich kann nicht einschlafen (hängt z.Z. bestimmt auch mit dem AD-Entzug zusammen). Bin dann froh, wenn ich auch vom Schlafmittel runter bin – drei Entzüge in einem Jahr sind dann auch mal genug. :o)

      Das Thema Abschlussbericht ist ein ziemlich „Trauriges“, das ich erst einmal noch richtig absacken lassen muss. Ich habe dir dazu (und noch zu etwas Anderem) eine Mail geschickt.

      Sende Dir ganz liebe Grüsse
      Charlotte

      • giftigeblonde 12. Dezember 2013 um 20:24 #

        Mail ist angekommen und auch schon beantwortet..bin heute noch schnell gggggg bevor ich abdüse :-)

        ich bin froh dass du dir Gedanken machst wegen des Schlafmittels :-)
        Liebe Grüße!

  2. seelensupergrau 12. Dezember 2013 um 05:08 #

    Puh, ja ich wünsche weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen :) Auch ich habe vor sobald der Arzt das ok gibt das Venla ausschleichen zu lassen. Mich würde auch ineressieren ebi wieviel du gerade bist bzw on du schon gar nichts mehr nimmst?Liebe Grüße

    • Charlotte 12. Dezember 2013 um 22:35 #

      Ich danke Dir! :-) Ich nehme jetzt seit 8 Tagen gar kein Venlafaxin mehr – von 150 mg auf 0. Ich hatte das jedoch mit meinem Arzt nicht besprochen und würde einen „kalten Entzug“ auch niemandem empfehlen, der sich nicht so gut kennt um zu wissen, dass er/sie das durchhält.
      Wenn Du das Gefühl hast, dass Du das AD nicht mehr brauchst, dann wirst Du es schon schaffen, das Medikament abzusetzen.
      Liebe Grüsse
      Charlotte

  3. blumenelfe 12. Dezember 2013 um 03:46 #

    Tag 7… puh! Ich habe zwar schon öfter gelesen, dass es hart sein kann Venlafaxin abzusetzen, wollte es bisher aber nicht wirklich wahrhaben. Gar nicht dran denken, was da mal kommen kann^^
    Von wieviel mg bist Du denn jetzt auf Null runter? Toll, dass Du es bis hierher geschafft hast! :-*

    • Charlotte 12. Dezember 2013 um 22:30 #

      Vermutlich wird es beim unmittelbaren Absetzen jedes AD‘, das über einen längeren Zeitraum in einer therapeutsichen Dosis eingenommen wurde, zu Absetz-Symptomen kommen. Wenn man sich dessen bewusst ist, mag es einfacher sein, wenn man so weit ist. ;-) Zu Deiner Frage: Von 150 mg auf 0.
      Liebe Grüsse
      Charlotte

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