Augen auf bei der Songwahl für Werbefilme

8 Dez

Vielleicht bin ich durch meine langjährige Tätigkeit im Marketing und in der Werbung etwas geschädigt, aber ich finde, dass Werbeverantwortliche bei der Wahl eines Titels für einen Werbefilm nicht nur darauf achten sollten, ob der nun einfach gut klingt, sonder ob die Aussage, das Drumherum, etc. auch zur Aussage des Produkts passen. Auf dieses Thema überhaupt bin ich nur deshalb gekommen, weil ich auf der Suche nach dem Song aus der aktuellen Werbung des Parfums «la vie est belle» von Lancôme war.


Das Werbeversprechen für das Parfum: «La vie est belle», das Leben ist schön. Als verführerisch duftende Liebeserklärung an die Schönheit des Lebens soll Lancôme den neuen Damenduft kreiert haben. Der Duft soll pure Lebensfreude verkörpern und jeden Tag daran erinnern, wie schön das Leben ist. «La vie est belle» soll eine Überzeugung sein, eine Hommage an eine Welt voller Anmut, Licht und Freiheit.

Dank Google ist es nicht schwer herauszufinden, dass der Song «Beautiful Days» von der Belgischen Band Venus stammt, die sich 2007 aufgelöst hat. Nur: Anmut, Licht und Freiheit sind gerade so gar nicht das, was dieser Song rüberbringt. Nicht nur im Text, sondern vorallem im Musikvideo (nimmt Bezug auf den Film «Immortal»).


Möglich, dass es 99.99999% der Menschen, die den Lancôme-Spot sehen, komplett egal ist, ob die Musik inhaltlich nun passt oder nicht. Mich aber stört das irgendwie, dass sich die Marketingabteilung anscheinend so gar nicht damit auseinandergesetzt hat. Auf jeden Fall war das Musikvideo von Venus für mich eine (negative) Überraschung, da ich durch die Werbung auf etwas Lieblicheres eingestellt war. :-(

Der Song gefällt mir jedoch trotzdem. :-)

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8 Antworten to “Augen auf bei der Songwahl für Werbefilme”

  1. nandalya 8. Dezember 2013 um 11:20 #

    Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, habe aber eine recht gute Einsicht in Japanische Kunst, Werbung, Filme, Bücher etc. Glaub mir bitte, dass die verrückt sind :D Die zum Teil verstörenden Bilder japanischer Filme stoßen zartbesaitete Gemüter sicherlich ab. Und die Musik ist auch nicht immer passend. Oder nimm den alten Film „Apokalypse Now.“ Dort wird Wagners Walkürenritt eingesetzt, um eine Kampfszene mit Helikoptern zu zeigen. Ich mochte den Film nicht, aber erinnere mich wegen der Musik daran.

    Ich habe mir jetzt das Originalvideo jetzt angeschaut. Heftiger Stoff. Zum Glück bin ich nicht sonderlich empfindlich. Vermutlich wird solche Musik nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt. Sie geht ins Ohr. Die Bilder werden dann dazu neu erfunden. Und wir gleich mit.

    • fiirvogu 8. Dezember 2013 um 17:53 #

      Ich finde Japanische Kunst nicht verrückter, als manche Kunst bei uns. Ist halt eine andere Kultur. Eine Kultur übrigens, die mich lange sehr interessiert hat. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mit meinen charakterlichen Eigenheiten in Japan besser aufgehoben wäre, als hier. Auf der anderen Seite würde ich mich wohl sehr schwer tun mit einigen, z.T. recht starren Konventionen, die meinem freiheitsliebenden Gemüt Schwierigkeiten bereiten könnten. Vielleicht sind die heute jedoch auch etwas aufgeweichter als zu der Zeit, in der ich mich damit beschäftigt hatte.

      Was das Video von Venus betrifft: ich störe mich nicht an den Bilder, obwohl ich auf solche gerne verzichten kann. Ich finde es einfach schade, dass sich Marketigverantwortliche zwar intensiv mit Werbebotschaften auseinandersetzen, dann jedoch keinen Gedanken daran verschwenden, dass die eigentliche Botschaft eines Songs der Werbebotschaft total widersprechen könnte. Wegen solchen (scheinbaren) Kleinigkeiten habe ich mich oft mit Ex-Auftraggebern und Ex-Chefs angelegt……weil sie mir persönlich – auch aus Konsumentensicht – wichtig sind. :o)

      • nandalya 8. Dezember 2013 um 18:50 #

        Japan ist noch sehr traditionell. Was sich im Westen / Deutschland fast schon über Nacht entwickelt hat, wird in Japan noch viele Jahre brauchen. Aber das ist in ganz Asien so.

      • fiirvogu 9. Dezember 2013 um 20:19 #

        Traditionell ist ja nicht verkehrt. Ich finde es wichtig, dass Traditionen aufrecht erhalten werden. Nur sollte dadurch die gesellschaftliche Veränderung nicht ganz aus den Augen verloren werden – sonst steht man irgendwann ziemlich alleine da.
        Bei uns in Appenzell ist der Spagath zwischen Tradition und Moderne ganz gut gelungen. Inzwischen. Hat auch lange gedauert – z.B. wurde hier das Frauenstimmrecht erst 1997 eingeführt. :o)

      • nandalya 9. Dezember 2013 um 23:14 #

        1997? Da wäre ich ausgerastet :D

        Japan ist ein Kapitel für sich. Ich habe dort meine Wurzeln, aber leben mag ich dort nicht.

      • fiirvogu 10. Dezember 2013 um 12:52 #

        Wärst nicht die einzige gewesen! ;-)

  2. Charly Schwarzer 8. Dezember 2013 um 02:11 #

    Das fällt dann also in die Kategorie: Dumm gelaufen. ;)

    • fiirvogu 8. Dezember 2013 um 02:15 #

      Oder in die Kategorie „der Konsument ist eh bescheuert“. :-(
      Bin so froh, dass ich aus dieser Branche raus bin! :-)

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