«Belangloser» Alltagskram

15 Nov

Heute fand mein wöchentliches Gespräch mit der Betreuerin der Integrationsmassnahme statt. Bei diesen Gesprächen geht es darum zu sehen, wie es mir geht, was man machen könnte, damit es mir besser geht, nach Bedarf administrative Dinge besprechen, etc.

Heute Morgen war ich extrem müde, was man mir wohl auch ansah. Am liebsten wäre ich gar nicht aus dem Bett gekrochen. Ich merke, wie mir die letzten Tage zugesetzt haben: Abklärungen wegen Unterstützungsbeiträgen bei Stiftungen, Stellen suchen und Bewerbungen schreiben, erhöhtes Arbeitspensum, zuhause renovieren und der – für mich – ungreifbare Beziehungsstatus zu meinem Partner. Dazu kommt,  dass ich bereits um 7 morgens im Büro bin. Ich muss kompensieren, wenn ich wegen der Therapie am Nachmittag früher gehe. Was mich zusätzlich ermüdet, sind die langen Mittagspausen: 5 Viertelstunden. Normalerweise machte ich früher eine halbe Stunde Pause, es sei denn ich ging Joggen oder ins Fitness-Center. Dann konnte so eine Mittagspause auch mal zwei Stunden dauern. Hier im Büro MUSS man diese 5 Viertelstunden Mittag einhalten. Zu wenig Zeit, damit ich nach Hause, in ein Fitness-Center oder in einen Yoga-Kurs könnte. Zu viel Zeit, um sie an einem Ort zu verbringen, an dem kein schönes, ruhiges Plätzchen ist, an dem man sich hinsetzen und lesen oder ein kleines Mittagsschläfchen halten könnte. Ich empfinde diese lange Pause als sehr störend und merke, wie ich danach in ein Leistungstief falle und müde werde. Viel lieber würde ich die Pause kürzer halten und dafür 45 Minuten früher zuhause sein und diese Zeit zum Entspannen nutzen. Also hatte ich bereits vor einiger Zeit gefragt, ob ich die Mittagspause nicht verkürzen dürfte. Es gibt andere Teilnehmer der IM, die das auch machen. Heute Morgen bekam ich die Antwort: Nach Rücksprache mit der Leiterin der kaufmännischen Abteilung sei das nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Ich erwiderte darauf, dass ich meine Gründe sehr stichhaltig fände und deswegen nicht begreifen könne, warum das bei mir nun nicht bewilligt wird. Die Antwort darauf hat mich dann echt aufgeregt: weil das Betreuerteam auch so lange Mittag machen, fehle in dieser Zeit die Betreuung, deswegen könne auf meinen Wunsch nicht eingegangen werden. Die BETREUUNG! Bei mir sieht die Betreuung so aus, dass ich einen Auftrag entgegennehme und den ausführe. Falls ich eine Frage habe oder wenn ich merke, dass ich eine PC-Pause brauche, dann suche ICH die Ansprechpersonen auf. Es wird nicht bei mir nachgefragt. Wobei das für mich super stimmt  – ich mag es nicht, wenn man ständig um mich herumscharwenzelt. Es kommt auch immer wieder mal vor, dass das ganze Betreuungsteam in Meetings ist, die eine Stunde und mehr dauern. Mich stört das nicht. Aber wo zum Teufel ist da der Unterschied zu einer Mittagspause?!? Nun gut. Ich sagte, dass diese Begründung in meinen Augen weder Hand noch Fuss habe, aber dass mir wohl nichts anders übrig bleibe, als die Situation so zu akzeptieren, wie sie sei.

Die nächste Frage von der Betreuerin fand ich dann schon ziemlich lustig: „was können wir tun, damit Sie gesundheitlich nicht einen Rückschritt machen? Sie sind zurzeit ja wirklich ziemlich unter Druck und ich mache mir Sorgen, dass es zu viel für Sie wird.“ Tja, was soll ich darauf antworten, wenn wir zuvor gerade das Thema Mittagspause hatten, bei dem man für mich eine echte Entlastung schaffen könnte!?! Strange!!!

*seufz* Nach dem Gespräch war ich bereits etwas angepisst. Und tief in mir ahnte ich, dass das kommende Meeting meine nun angenervte Grundstimmung noch verstärken könnte: es ging um das Thema Parkplätze für die IM-Teilnehmenden. Bis jetzt gab es nämlich gar keine Parkplätze für die IM-Teilnehmenden. Ich gestehe, dass mir das bis heute gar nicht bewusst war, denn ich habe mein Auto immer auf die mit „meiner“ Firma bezeichneten Parkplätze gestellt, weil da immer welche frei waren. Was ich nicht wusste ist, dass diese Plätze nur für das festangestellte Personal ist und dass man sich als IM-Teilnehmer nicht darauf stellen darf, AUCH WENN SIE FREI STEHEN. WHAT????????? Ganz ehrlich: was für eine abgefahrene, bescheuerte, unlogische Haltung ist das denn? Wie auch immer.  Neuerding stehen nun also offiziell zwei Parkplätze für IM-Teilnehmende zur Verfügung. Das Meeting sollte eine Entscheidung bringen, wer die Plätze nutzen darf, da das Leitungsteam selber nicht entscheiden wollte. Es wurde also die Frage in die Runde gestellt, nach welchen Kriterien entschieden werden solle. Da sich keiner meldete meinte ich dann: Nach zeitlichem Mehraufwand, nach Mehrkosten und nach Arbeitspensum. Die Antwort darauf war, dass dabei nur die hard facts berücksichtigt würden. Nur: nach welchen Kriterien soll dann beurteilt werden? Alle IM-Teilnehmer kommen mit dem Auto, alle haben – neben der Bequemlichkeit – auch „weiche“ Gründe. Ich auch. Ich drehe durch, wenn ich am morgen früh eingepfercht mit zig anderen im Zug sitzen muss. Ganz abgesehen davon, dass ich ungefähr so viel Zeit einrechnen sollte, bis ich im Zug sitze, wie ich mit dem Auto zum Arbeitsplatz brauche. Und dann muss ich noch einen Parkplatz im Parkhaus beim Bahnhof bezahlen. *pff*, nö, da mache ich nicht mit! Der eine, der aus der gleichen Stadt kommt wo der Betrieb ist, fügt als Begründung an, dass er mit dem Auto kommen müsse, weil es ihm ab und zu nicht gut gehe und er dann von der Arbeit schnell nach Hause wolle. Gut, ist auch ein Argument. Eine Teilnehmerin wohnt zurzeit im Österreichischen (ist aber in der Schweiz gemeldet), weil die Wohnungen in der Schweiz zu teuer waren. Mit dem ÖV würde sie auch viel länger zur Arbeit brauchen, das leuchtet ein. (Nur so nebenbei: wenn man ausrechnet, dass sie jeden Tag 80 km mit dem Auto fahren muss und das an vier Tagen, dann kommt man im Monat auf 650 Franken. Und mit diesem „zusätzlichen“ Betrag könnte man auch eine Wohnung in der Ostschweiz finanzieren. Da verstehe ich dann nicht so ganz, wie eine IV so etwas toleriert. Naja, ist nicht meine Baustelle.). Was ich damit sagen will ist, dass ich nicht so ganz verstehe, warum man zusammensitzen muss, um Vorschläge zu bringen, wie man das PP-Problem lösen kann, wenn es a) mit den nicht genutzten Personalparkplätzen genug Plätze hätte und b) nicht nach messbaren Kriterien entschieden werden soll. Eine – für mich – befriedigende Lösung wurde denn auch nicht gefunden: es wird jetzt eine Liste aufgehängt, in die man Abwesenheiten eintragen soll und danach werden dann die Parkkarten ausgegeben. Ich für meinen Teil habe momentan echt zu viel im Kopf, als dass ich noch daran denken werde, mich in dieser Liste einzutragen – mit all den Verschiebungen, die es immer mal wieder gibt. Werde mich daher auch in Zukunft auf den Parkplatz stellen, auf den ich mich bis jetzt immer gestellt habe. Bis jetzt hat es deswegen noch nie Beanstandungen gegeben und so lange das so bleibt, ist das für mich die einfachste Lösung. Wenn ich Glück habe finde ich sowieso in naher Zukunft eine Stelle (schön wäre es) und das Thema hat sich für mich dann erledigt… Auf 12 Teilzeitstellen habe ich mich bis heute beworben, zwei Absagen sind bis jetzt reingeflattert und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch für kommenden Montagmorgen. Finde ich übrigens ganz gut, ein Bewerbungsgespräch am Montagmorgen früh. Habe der HR-Leiterin gesagt, dass sie dann gleich mein Montagmorgen-Gesicht sehe und viel schlimmer könne es dann eigentlich fast nicht mehr werden. *grins*

Nach diesem zweiten Teil dieses Morgens war ich auf jeden Fall RICHTIG angenervt. Mir ist schleierhaft, wie Menschen so stur, nicht lösungs- und mitarbeiterorientiert sein können. Das ist doch Paragraphenreiterei. Ich muss auch nicht gefragt werden, was man für mein Wohlbefinden tun könnte, wenn das nur eine rhetorische Frage ist, weil sowieso eine andere Person darüber befindet, die mit mir noch gar nie richtig gesprochen hat und meine «Befindlichkeiten» nicht kennt. Der Jokertag ist seit der Pensumerhöhung auch gestrichen – warum, weiss irgendwer, ich nicht. Wie gut, dass es bei einer Integrationsmassnahme nicht um den Teilnehmenden geht. *rolldieaugen* Wenn ich dann noch berücksichtige, dass ich mit der IV-Massnahme pro Monat 10% weniger Geld auf dem Konto habe, als ich haben könnte, dann überlege ich manchmal, warum ich diese Massnahme nicht einfach verweigere. Denn momentan stresst sie mich mehr, als dass sie mir gut tut. Und da sowieso klar ist, dass ich ab Februar auf mich alleine gestellt bin, weil mir die IV mit Studium nicht helfen will, wäre das auch die sinnvollste Lösung. Eigentlich! Denn auf der anderen Seite finde ich es gut, wenn ich mich bereits jetzt an einen ausgefüllten Tag gewöhne und versuche, mir gewisse Routinen anzueignen. Ich bin also ziemlich hin- und hergerissen…

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5 Antworten to “«Belangloser» Alltagskram”

  1. giftigeblonde 15. November 2013 um 18:45 #

    Da kann man echt nix mehr dazu sagen, soviel Unvernunft auf einer Stelle gehörte direkt prämiert.
    Ansonsten, liebe Charlotte, ich halte für Montag Morgen alle Däumchen für dich :-)
    Liebe Grüße!

    • fiirvogu 15. November 2013 um 19:18 #

      Ohja, bitte Daumen drücken! Ich bin ja schon froh, dass ich überhaupt ein Vorstellungsgespräch habe. Von 7 Bewerbungen habe ich bis auf die Eingangsbestätigung noch nichts gehört, von zwei Bewerbungen habe ich noch überhaupt nichts gehört. Bin ja gespannt, ob da noch etwas Positives kommt…
      Herzlicher Gruss
      Charlotte

      • giftigeblonde 15. November 2013 um 19:24 #

        Ich finde die Politik die manche Firmen mit eingegangen Bewerbungen haben, mehr als fragwürdig.
        Da meine ich die wo du noch gar nix gehört hast,..das ist einfach fies.
        Liebe Grüße!

  2. Bao 15. November 2013 um 07:09 #

    Und ich dachte so bescheuerte Starsinnigkeit gibt’s nur in Deutschland.

    Wünsche dir viel Kraft.

    • fiirvogu 15. November 2013 um 19:11 #

      Das war wohl eine Illusion, in der Schweiz gibt es ganz viel davon! Eigentlich sollte ich das alles ja ganz locker nehmen, aber direkt im Moment kann ich mich ganz fürchterlich aufregen. Jetzt habe ich mich wieder abgeregt und verbuche das ganze unter „es gibt halt viel Schwachsinniges auf dieser Welt“. ;-)
      Lieber Gruss
      Charlotte

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