Was bisher geschah

28 Aug

Fast eine Woche lang keinen Eintrag – was will das bloss heissen!?

Tja, ich stand in den letzten Tagen, sogar Wochen, etwas neben der Spur. Ok, das wäre ja nicht unbedingt etwas Neues, wenn man meine Vergangenheit so anschaut. Aber eigentlich ist es mit mir seit dem Frühling kontinuierlich aufwärts gegangen. Insofern ist das Tief, das seit einiger Zeit bedrohlich über mir hängt doch wieder etwas Neues. Lange habe ich gar nicht richtig gemerkt, dass ich mich wieder abwärts strudle. Bis ich mit meinem Schatz im Zürcher Zoo war. In diesen vielen Menschen ist mir so richtig aufgefallen, unter was für einem grossen Druck ich wieder zu stehen scheine. So gross, dass ich im Zoo richtige Aussetzer hatte – z.B. meinen Schatz nicht mehr erkannte, auch wenn er direkt vor mir stand oder beim Bezahlen keine 13.10 Franken mehr abzählen konnte, weil die Zahlen in meinem Hirn Verstecken gespielt haben. Das ist vielleicht ein beschissenes Gefühl, so viel kann ich verraten. Stehe vor der Kasse und könnte in Tränen ausbrechen. Bah! Danach noch gleich eine Informationsveranstaltung zu einem möglichen Studium. Zum Glück hatte ich mich im Vorfeld schon ein wenig informiert. Wahnsinnig viel ist an diesem Abend nämlich nicht mehr hängen geblieben.

Und dann war da diese miese Laune, die mich in letzter Zeit immer wieder mal angefallen hat. Und die ich ein paar Mal indirekt auch an meinem armen Schatz ausgelassen habe. Das hätte mir eigentlich auch vor Augen führen sollen, wie es um mich steht. Eigentlich! Dass letzten Samstag auch noch ein Tag der offenen Tür bei mir zuhause geplant war, passte natürlich wie die Faust auf’s Auge auf meine Stimmungslage. *grummel* Vielleicht hätte ich halt besser mal nur ein paar Chips und gekauften Kuchen aufgestellt. Aber natürlich mussten sich meine doofen Ansprüche mal wieder aufdringlich in den Vordergrund drängen. Also habe ich in Eigenregie 180 Kipferl mit neun verschiedenen Füllungen gebacken, dazu vier verschiedene Kuchen. Als Beilage zum Grillfleisch hatte ich dann noch drei Salate vorbereitet. Mit 45 Gästen – die meisten davon am Nachmittag und Abend – war die Bude dann auch ziemlich voll. Und ich danach noch mehr am Boden. Jaja… Am nächsten Morgen früh sind mein Schatz und ich dann zu seinem Vater ins Rosenheimer Land losgefahren. Kennengelernt hatte ich ihn bereits ja ganz zu Beginn unserer Beziehung – ganz kurz. Zum Glück habe ich einen so verständnisvollen Partner, der sich nicht aufregt, wenn ich die ganze Autofahrt schlafe. Ich war echt so erledigt. Aber der Besuch war schön. Sein Papa und dessen Freundin sind wirklich total lieb. Und trotz durchzogenem Wetter haben wir das eine oder andere unternommen. Und viel gegessen…und getrunken – auweh, auweh. Da war doch mal noch ein Vorsatz, ein paar Kilo abzunehmen. Muss ich dazu noch sagen, dass sich der in den letzten Wochen auch irgendwie französisch verabschiedet hat?! *groll*

Nun ja, gestern Mittag war ich also wieder zuhause und musste mich erst einmal hinlegen und schlafen, schlafen und noch einmal schlafen. Nicht, dass ich heute Morgen deswegen frischer gewesen wäre. Vielleicht deswegen aber auch nicht weniger frisch. Wer weiss das schon. Und heute musste ich doch den Kopf einigermassen beieinander haben, weil der Termin mit der IV und den Verantwortlichen der Integrationsmassnahme anstand. Dort ging es darum, die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für den geschützten Arbeitsplatz abzustecken. So lange die IV nicht sicher sein kann, dass ich genug belastbar bin, ist eine Umschulung kein Thema. Deswegen wollte ich nach dem Termin denn auch keine Nacht mehr darüber schlafen, ob der Arbeitsplatz für mich in Frage kommt. Mir rennt nämlich die Zeit davon. Ich MUSS langsam aber sicher wieder ins normale Leben einsteigen. Und damit bin bereits bei dem Punkt, der wohl zu einem grossen Teil mit dazu beigetragen hat, dass die Depression wieder einen Fuss in meine Seelentür gesetzt hat.

Es wäre wohl schon eher angebracht gewesen, mir die Dinge in Erinnerung zu rufen, die ich im Laufe der Therapie gelernt habe. Und zwar bevor auch mein Umfeld merkt, dass bei mir etwas nicht so richtig stimmt. Nur scheint es mir einfacher zu fallen, zu mir zu schauen, wenn es mir besser geht, als wenn es mir schlechter geht. Naja, besser spät, als nie. Also habe ich – nach Absprache mit meinem Arzt – als Sofortmassnahme meine AD-Dosis erhöht. Was zum Glück auch ohne Nebenwirkungen zu funktionieren scheint. Und dann habe ich mich gestern nach ewig langer Zeit mal wieder zum Meditieren hingesetzt, um mir darüber klar zu werden, was mich so runterzieht. Jaja, Achtsamkeit. Ich weiss doch, dass mir das Meditieren gut tut. Dass mich achtsames Verhalten gelassener werden lässt. Ich WEISS es. Und doch lebe ich nicht danach. Oder besser gesagt, habe ich nicht mehr danach gelebt. Das WILL ich wieder ändern. Anscheinend brauche ich doch mehr Zeit, bis sich bei mir etwas zur Routine entwickelt, als das allgemein so üblich ist. Gestern ist mir klar geworden, dass zwei Dinge dazu geführt haben, dass bei mir die Abwärtsspirale wieder eingesetzt hat:

1. Manchmal kann ich mich einfach nicht mehr bremsen: In eine Beziehung stürzen, Urlaub in einer Grossstadt, viele und längere Besuche bei mir zuhause, Ausflüge an Orte mit vielen Leuten, aufwändige Geschenke machen, zeitintensive Feste organisieren, mich mit möglichen Studiengängen befassen, Garten, Haus, etc., und möglichst alles in möglichst kurzer Zeit. «Prioritäten» ist das Zauberwort. Z.B. mein Partner – er ist mir sehr wichtig. Und in vielerlei Hinsicht tut er mir sehr gut. Aber manchmal tue ich mich immer noch sehr schwer mit meinen Gefühlen, was dazu führt, dass ich mich unter Druck setze. Bis ich das besser im Griff habe, sollte ich geballte Kontakte mit anderen Menschen besser so gut wie möglich meiden. Bzw. mir ganz bewusste Auszeiten nehmen, wenn ich merke, dass es zu viel wird. Achtsamkeit! Denn die Beziehung mit meinem Schatz möchte ich nicht auf’s Spiel setzen.

2. Meine berufliche Zukunft ist sehr wichtig. Und doch sollte ich versuchen, mich deswegen nicht so unter Druck zu setzen. Klar ist es gut, wenn ich mich nicht alleine auf die IV verlasse und versuche, meinen eigenen Weg zu gehen. Und doch sollte ich darauf vertrauen, dass die Hilfe von aussen, also durch meinen Therapeuten, meinen Arzt, die IV und zukünftig durch die IM durchaus ihren Sinn hat. Was nützt es mir, ein Studium zu beginnen, wenn ich vielleicht noch gar nicht entsprechend belastbar bin und es dann wieder abbreche. Nichts. Im Gegenteil. Mein Vertrauen in mich würde noch mehr schwinden, der Hass auf mich wieder wachsen und unnötiges Geld würde ich auch noch ausgeben. Verschiedene Optionen zu prüfen und entsprechend Vorarbeit zu leisten ist eine gute Sache. Trotzdem sollte ich einen Schritt nach dem anderen machen, um nicht Gefahr zu laufen, mir Möglichkeiten zu versperren, weil ich aus einem selbstproduzierten Druck heraus zu impulsiv vorpresche. Auch hier ist Achtsamkeit das Stichwort. Achtsam einen Schritt nach dem andern machen. Immer bei dem sein, was ich tue.

Also weiss ich, was mich in vielen Dingen weiterbringen könnte. Es gilt nun, dieses Wissen wieder anzuwenden. Wieder achtsamer zu leben. Achtsamer mit mir umzugehen. Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen – all das sollte ich in meinem Leben wie selbstverständlich verankern. Sollte es zur Routine werden lassen. Weil es mir hilft, mich und meine Gefühle besser zu verstehen, zu verarbeiten und auszudrücken. Da aller «Anfang» schwer ist, werde ich erneut versuchen, meinen Weg zu mehr Achtsamkeit auf meiner Achtsamkeits-Seite zu dokumentieren. Diese habe ich nämlich schon seit sehr, sehr, seeeeehr langer Zeit ganz links liegen lassen. Dabei kann mir diese Seite sehr gut helfen, meine Bemühungen diesbezüglich zu kontrollieren. So lange bis ich merke, dass diese – für mich hilfreichen – Instrumente in meinem Leben fest integriert sind und für mich zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

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9 Antworten to “Was bisher geschah”

  1. annaarbeit 30. August 2013 um 19:01 #

    Ansprüche: buh!
    Achtsamkeit: ja!

    Ansprüche an Dich und die Achtsamkeit: ein ziemlicher Widerspruch, oder?

    Sagt die Frau, die sich selbst anzickt, weil sie es nicht zum Yoga schafft, sich in Hochstressphasen total zerstreut gebärdet und sich dafür kritisiert usw. usf.

    Du siehst: gehört alles zum depressiven Denkmuster dazu und nimmt auch bei mir gern die Spiralform ein.

    Aber: Wir machen immer wieder den Anfang, und wir kommen immer wieder ein Stück weiter, und jeder Tag ist ein neuer Tag.

    Fühl Dich umarmt!

    • fiirvogu 30. August 2013 um 21:41 #

      *grins* Deswegen will ich mich ja wieder mehr in die Achtsamkeit vertiefen. Damit die Ansprüche an mich weniger werden, bzw. damit ich eher erkenne, wenn ich mich selber überfordere. Und Du hast so Recht: wir sind Meister der Neuanfänge. ;-)
      Fühl auch Du Dich gedrückt!

  2. luiselotte 29. August 2013 um 16:15 #

    …ich hab dir eine Email geschrieben…..♥ Luiserl

    • fiirvogu 29. August 2013 um 18:05 #

      Danke! :-) Schreibe Dir dann noch zurück…
      Lieber Gruss
      Charlotte

  3. Eva 29. August 2013 um 13:21 #

    Sehr gut beobachtet! Alleine schon, dass du das gemerkt hast und so wie du das hier beschreibst, sind ein grosser Fortschritt. Zu Punkt 1: Ist ja schon wahnsinnig, wie man sich selber so sehr unter Druck setzt. Das kenne ich von mir: möglichst alles perfekt und sofort und dann gleich noch viel davon. Aber bei Dir ist das ja sehr extrem. Schau, dass du zuerst stabil bist und erst dann wieder einen Schritt weiter, wobei an die Infoveranstaltung kann man ja schon gehen, da hat man ja noch keinen Druck. Ich würde mich aber im Moment noch nirgendwo anmelden für einen Kurs o.ä. Dieser Tag der offenen Tür,… ich habe schon Mühe, wenn ich an grosse Familienanlässe muss, habe in der Vergangenheit auch schon kurzfristig absagen müssen, weil ich nicht konnte. Aber soviele Gäste und dann möchte man natürlich so gut wie möglich sein, hast du noch sowas leckeres hergebastelt. Kein Wunder, kommt man da im Stress, und das bedeutet wieder ins alte Muster mit Gedanken etc. Zum Glück hast du da einen Stopp gemacht. Und ich freue mich, dass dein Partner so gut hinter dir steht und dir wichtig ist. Das ist eine sehr gute Basis.

    Tja, der Punkt mit dem Vertrauen ist nicht einfach. Das ist auch der Grund, weshalb ich nie stationär war, ich dachte dann ist man gefangen von der Psychiatrischen I“Mühle“ o.ä. Oder abhängig sein von einer Organisation, die mir Geld zum Leben gibt. Schwierig. Ich bewundere, dass du den Schritt gewagt hast. Aber es kann tatsächlich helfen, weil man nämlich manchmal sich selber nicht mehr einschätzen kann. IV war auch mal ein Thema hab dann die Anmeldung aber wieder zurückgezogen. Ich bin sehr gespannt, wie sie dich unterstützen. Ich habe halt immer Angst dass man dann abgeschoben und abgestempelt ist. Doch schlussendlich kann man ja nicht immer so weitermachen wie bisher, es soll ja ein neuer Weg gefunden werden und vielleicht ist die IV gar nicht so schlimm, wie ihr Ruf. Wo ich gelesen habe, dass sie dich betr. einem Studium evtl. unterstützen, war ich sehr überrascht, und es scheint so, dass man wirklich versucht, etwas FÜR dich zu tun. Ich hoffe jedenfalls, dass du genau das machen kannst, was du dir vorstellt mit der nötigen Unterstützung. Denn jeder Mensch hat das Recht dazu, auch ein emotional-instabiler Mensch.

    Die Anforderungen in der heutigen schnelllebigen Statusgesellschaft, der Leistungsdruck beruflich und sozial, sind heutzutage einfach nur noch krank. Zombieland. Abgestumpft. Angepasst, es hinnehmen, nachmachen. Mitmachen. Es gab 2 Suizide innerhalb kurzer Zeit von Top Managern. Wundert mich nicht. Hoffentlich findet bald ein Umdenken statt.

    Wenn mehr Menschen sich trauen würden, am Arbeitsplatz darüber zu reden oder dazu offen stehen. Das wäre schon mal ein Fortschritt.

    Das mit den Aussetzern ist ein starkes Zeichen, dass man sich überfordert hat und sich mindestens im 80-90% Bereich befindet. Muss ein schlimmes Gefühl sein und das deprimiert einen natürlich danach. Ich stehe manchmal irgendwo an einem Platz oder Strasse und weiss nicht mehr wo ich bin. Dann versuche ich immer gerade aus zu laufen bis es dann nach irgendwann vorbei ist oder ich an einen Kiosk oder etwas komme, wo ich was vertrautes sehe bzw. mich orientieren kann. In solchen Moment hab ich auch Panik. Kann also sehr nachfühlen, wie es dir gehen muss, wenn du deinen Schatz nicht mehr erkennst. Eben jetzt ein Zeichen, runterzuschalten.

    (Sorry für den langen Text, mir geht’s grad auch nicht so gut…Asthmaprobleme).

    Liebe Grüsse, viel Kraft und geniess die Natur und die Meditationen :)
    PS: Alkohol sollte in solchen Phase absolut TABU sein.

    Eva

    • fiirvogu 29. August 2013 um 18:03 #

      Liebe Eva, wow, danke für Deinen Kommentar. Ich kann gut verstehen, warum Du bei Psychiatrischen Kliniken oder externen Geldgebern so Deine Bedenken hast. Mir geht es genau so. Wichtig dabei ist halt einfach, sich nicht nur auf diese Drittpersonen und -stellen zu verlassen, sonder primär immer noch auf sich selber. Das tue ich auch bei der IV: falls ich merken sollte, dass mich die IV in eine Richtung bewegen will, die mir nicht behagt, habe ich einen „Plan B“. Denn letztendlich weiss ich (inzwischen) am besten, was mir gut tut und was nicht.
      Was den selbstgemachten Druck angeht, so ist das ein Thema, an dem ich noch stark an mir arbeiten will. Damit ich früh genug erkenne und akzeptiere, dass ich mir zu viel zumute. Nicht ganz einfach, wenn man ein Leben lang so funktioniert hat. Aber mit viel Selbstdisziplin (die ich mir auch antrainieren will) bestimmt machbar.
      Ich hoffe sehr, dass Du Deine Asthmaprobleme in den Griff bekommst – Atembeschwerden sind etwas Fürchterliches, ich kenne das noch aus meiner Jugendzeit.
      Ganz liebe Grüsse
      Charlotte

  4. blumenelfe 29. August 2013 um 11:54 #

    Ich drücke meinen Däumchen für Dich & wünsche Dir von Herzen, dass Du Deine Routine früher oder später findest und wieder fest im Leben stehen kannst! <3

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