Eine neue Form der Selbstzerstörung

7 Mai

130507_Sonnenuntergang_Nieschberg 130507_Sonnenuntergang_Nieschberg_2

Seit einer Woche wohne ich nun am neuen Ort. Wobei «wohnen» noch immer nicht ganz so zutreffend ist. Dafür bin ich immer noch zu wenig eingerichtet. Erstaunlich eigentlich, denn man sollte meinen, dass ich genug Zeit dafür habe. Nur fehlt mir momentan wieder einmal die Energie. Ich weiss nicht genau, wo ich sie gelassen habe. Aber sie ist weg. Auch dieses leise Gefühl von Leben, das mich ab und zu – und immer öfter – gestreift hat, ist komplett weg. Zurück bleibt diese innere Leere, die mich schon so lange begleitet. Und die ich so gar nicht vermisst habe, wenn sie nicht da war. Und dann meldet sich immer mal wieder dieses Bedürfnis, eine Klinge zu schnappen und zu schneiden, um das Leben zu spüren. Auch wenn sich der Schmerz nicht wie Leben anfühlt. Das weiss ich jetzt. Deswegen lasse ich das mit der Klinge auch sein. Und reagiere mich im Garten ab. Genug Möglichkeiten zum Abreagieren bietet der ja. Und auch mein Körper reagiert, denn der mag eigentlich gar nicht mehr. Der ist solche «Belastungen» nicht gewohnt. Zeigt mir mit Schmerzen, mit Muskelkater, mit Muskelzittern und Schwindel, dass ich ihn überfordere. Aber ich kann nicht anders, ich muss raus, muss die Leere mit Schmerz füllen. Noch eine halbe Stunde und noch eine halbe Stunde und noch, … Abends sitze ich dann drin und friere, obwohl warm genug ist. Und morgens komme ich kaum aus dem Bett, weil ich so zerschlagen bin. Ein selbstzerstörerischer Kreislauf. Aber einer, den ich im Moment brauche, um den Kontakt mit dem Leben nicht wieder ganz zu verlieren. Es ist, als hätte ich mit dem Umzug den letzten dünnen Faden zum Leben, wie ich es kannte, abgeschnitten. Das ist natürlich Blödsinn, denn ich bin oft genug umgezogen. Aber nie in einer solchen «schwebenden» Situation, ohne zu wissen, was kommt. Und auch noch nie mit dem Vorsatz, länger als ein Jahr am gleichen Ort zu bleiben. Ich habe mir sozusagen mit diesem Vorsatz selber den Fluchtweg abgeschnitten. Obwohl ich ja weiss, bzw. hoffe, dass ich durch die Therapie, die ganzen Erkenntnisse, die ich in den letzten Monaten gewonnen habe und der Hilfe, die ich erhalte, so schnell keinen Fluchtweg mehr brauche. Aber meine Vernunft schafft es leider oftmals nicht, zu meiner kleinen Seele durchzudringen, um sie von «was-wäre-wenn-Gedanken» abzuhalten. Tja, scheint wirklich nicht einfach zu sein, ein halbes Leben, das eigentlich gar keines mehr sein sollte, einfach so abzustreifen und umzukrempeln.

 

Advertisements

9 Antworten to “Eine neue Form der Selbstzerstörung”

  1. TD 8. Mai 2013 um 12:05 #

    Der Chief hat, wie fast immer, recht. Doch fühl dich auch von mir gedrückt!…schlabber von Cora! Das „LIKE“ ist für die Fotos natürlich!

    • chiefalfred 8. Mai 2013 um 16:58 #

      Danke …

    • fiirvogu 8. Mai 2013 um 20:55 #

      Boah, das war aber ein recht dicker Schlabber von Cora. ;-) Danke! Mir tut es schon irgendwie gut, wenn ich solche Gedanken aufschreibe. Früher habe ich alles komplett in mich reingefressen. Das tue ich heute im Grossen und Ganzen auch noch. Aber wenigstens schreibe ich vieles auf. Und erzähle vieles, bzw. alles meinem Therapeuten. Das tut irgendwie gut, weil es mir erlaubt, vieles auch mal in einem anderen Licht zu betrachten. Und weil einiges auch an Schwere verliert, wenn es mal draussen ist.
      Ganz liebe Grüsse

  2. chiefalfred 8. Mai 2013 um 12:00 #

    Unser größter Feind ist immer noch der eigene Kopf … Traurig aber wahr. Wenn wir dieses ewig plappernde Ego einfach abstellen könnten, würden wir uns auf’s Wesentliche konzentrieren können – doch was ist das Wesentliche … Fragen über Fragen – die uns nichtmal wir selbst beantworten können … Ratschläge sind sind sicher gut gemeint, aber weiter helfen auch sie nicht wirklich … Selbst wenn wir unsere Seele neu einkleiden, zeigt sie sich immer noch als eine Dualität mit uns selbst !!!

    lg – ap

    • fiirvogu 8. Mai 2013 um 20:52 #

      Ich glaube nicht, dass es mein Kopf ist, der mir den Strich durch die Rechnung macht. Im Gegenteil. Ich regle (oder versuche zu regeln) seit Jahren unheimlich viel nur mit dem Kopf, weil ich mit Emotionen grosse Schwierigkeiten habe. Mein Störefried sitzt irgendwo tiefer und lässt sich mit dem Ratio nicht steuern. Leider.
      Nein, Ratschläge helfen nicht. Das muss ich (und vermutlich jeder) mit mir selber ausmachen. Letztendlich muss ich mit mir im Reinen sein. Was das auch immer genau heissen mag.
      Lieber Gruss und einen schönen Abend

  3. elsuho 8. Mai 2013 um 09:08 #

    Es ist sicherlich gut, sich körperlich auszupowern, um andere Dummheiten zu vermeiden. Fluchtwege abschneiden, hm, lebe doch einfach immer nur den einen Tag??? Wer weiß denn, was die Zukunft bringt, sofern es sie gibt? Menschen zu haben, die da sind, Therapeuten oder Freunde oder Familie … ist auf jeden Fall wichtig. Aber am Ende entscheiden wir ganz allein über unser Bleiben oder Gehen …
    Dieses Da-Sitzen und einfach zu müde zu allem zu sein (ich meine jetzt vor allem auch seelisch zu müde), das kenne ich leider auch.
    Ganz liebe Grüße!

    • fiirvogu 8. Mai 2013 um 20:45 #

      Das sehe ich auch so. Und ich werte das – insgesamt – auch als Fortschritt. Und doch finde ich es anstrengend, dass mich solche „Phasen“ immer wieder ohne Vorwarnung und so intensiv überfalle .
      Ja, diese seelische Müdigkeit ist unheimlich anstrengend. Da rauszukommen frisst immer wieder so viel Energie. Darauf könnte ich echt verzichten. :-/
      Herzliche Grüsse zurück!

  4. bambikind 7. Mai 2013 um 21:39 #

    Ohje :-(
    Fühl Dich mal gedrückt und getröstet & ich wünsche Dir von Herzen, dass die Leere bald wieder verschwindet!!! <3

    • fiirvogu 8. Mai 2013 um 20:42 #

      Danke, Liebes! Ich muss halt einfach akzeptieren, dass es immer wieder „Rückfälle“ gibt. Mindestens habe ich neuerdings ein Ventil, das weniger selbstdestruktiv ist, als die, die ich sonst kenne. Ist doch auch irgendwie ein Fortschritt. ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: